Erdbeben in Nordkorea: Wie man eine Atombombe erkennt

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(Artikel ursprünglich erschienen am 09.09.2016)

In Nordkorea wackelt die Erde. Selbst in China werden wegen der Erschütterungen noch Schulen evakuiert. Aufregung in Seoul, Tokyo und Washington: Hat Kim Jong Un wieder mit Atomwaffen experimentiert.
Ja, weiß der fundierte Hobby-Seismologe mit einem Blick auf die Erdbebendaten behaupten zu können. Denn mit diesen drei Dingen könnt ihr, auch wenn ihr keine Profis seid, ein natürliches Erdbeben in Nordkorea (ja, sowas gibt es auch) von einer Atombombe unterscheiden.

  • Das Epizentrum
Kernwaffentestgelände in Nordkorea
Kernwaffentestgelände in Nordkorea

Zugegeben: Tektonische Erdbeben in Nordkorea sind relativ selten. Wenn sie auftreten, dann liegt ihr Schwerpunkt meist im Westen des Landes. Die Störungszone, die als Grenze der Eurasischen und der Amurplatte identifiziert wurde, verläuft von Kaesong an der Südkoreanischen Grenze bis in die Hauptstadt Pjöngjang und übers Gelbe Meer nach China. Schwere Beben kamen in den Jahren 501 (als Pjöngjang zerstört wurde), 1385 (als Kaesong zerstört wurde) und 1518 (als die gesamte Küstenregion betroffen war).
Das heutige Erdbeben hatte sein Epizentrum im Nordosten des Landes. Eine seismisch inaktive Region, aus der vier Ereignisse bekannt sind. Aus den Jahren 2006, 2009, 2013 und 2016 – Als Nordkorea auf dem dortigen Kernwaffentestgelände Atombomben gezündet hat.

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  • Die Tiefe

Wie unterscheidet man natürliche Erdbeben von induzierten, also von „durch Menschenhand“ verursachen? Eines der wichtigsten Kriterien ist dabei die Herdtiefe. Induzierte Erdbeben treten sehr oberflächennah auf. Selten mehr als 5 Kilometer, einfach weil der Einfluss des Menschen nicht tiefer reicht. Tektonische Erdbeben treten tiefer auf, meist in 10 bis 15 Kilometern, häufig mehr.
Um einen unterirdischen Atomwaffentest durchzuführen,sind Schächte und Stollen nötig. Aufgrund des Geothermischen Gradienten ist hier, damit Menschen ohne Probleme arbeiten können, ein Tiefenlimit von 1 bis maximal 2 Kilometern gegeben – einfach weil es in größeren Tiefen zu warm wird. Im Falle des Atomwafentestgeländes ist es wahrscheinlich weniger.
Somit müsste auch die Herdtiefe des Erdbebens in dieser geringen Tiefe liegt.
Da aufgrund der Distanz genaue Bestimmungen schwer möglich sind, rundet der amerikanische Erdbebendienst beim USGS seine Werte. In diesem Fall auf 0 km.

tiefe

Viel flacher geht es nicht.

  • Die Herdzeit

Wenn man ein größeres Projekt wie eine Sprengung plant, müssen alle Beteiligten, auch aus Sicherheitsgründen, ein bestimmtes Protokoll einhalten. Man kennt dies aus Steinbrüchen in Deutschland. Darin ist festgelegt, wann die Sprengsätze angebracht werden, wie groß die Sicherheitszone ist, und schließlich das wichtigste: Wann die Sprengung erfolgt.
Dass der Sprengmeister den Zeitpunkt der Sprengung für 08:22:41,8 Uhr plant, ist äußerst unwahrscheinlich. Lieber nimmt man eine volle oder eine halbe Stunde.
Wie oben gezeigter Karte zu entnehmen ist, ereignete sich das Erdbeben um 00:30:01 UTC. Das entspricht 9:00 Uhr nordkoreanischer Zeit (die eine Sekunde ordnen wir mal in den Bereich „Messfehler“ ein.). Die perfekte Zeit für eine Sprengung oder einen Bombentest, oder?

 

So erhält man drei Punkte, die auf einen Kernwaffentest hindeuten. Natürlich kann man als Laie nichts über die Art der Bombe sagen. Die Magnitude lässt sich prinzipiell in Sprengkraft umrechnen, was aber auch Bombenabhängig ist. Nur so viel kann man sagen: Mit Magnitude 5.3 ist es das bisher stärkste „Erdbeben“, was auf eine stärkere Bombe als bisher hindeutet.

Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 02:30 Uhr

Magnitude: 5.3

Tiefe: 0 km

Spürbar: ja

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: nein

Ursprung: induziert (Explosion)

Tsunami-Gefahr: nein

Epizentrum:

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Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.