Frühester Riesenpinguin entdeckt

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Neue Funde aus dem mittleren Paläozän von Neuseeland zählen nicht nur zu einem den ältesten bekannten Pinguinfossilien, sondern stammen auch von einem der größten Pinguine der Erdgeschichte. Die Anatomie und phylogenetische Position des neuen Exemplars deuten auf eine frühere Radiation der Pinguine als bislang angenommen, und auf eine lang anhaltende Blütezeit großwüchsiger Pinguine im Paläogen hin.

Das Fossil umfasst den Tarsometatarsus (zusammengewachsene Fußwurzel- und Mittelfußknochen) und vier Zehenknochen eines linken Fußes aus den Waipara Greensands von Neuseeland. Der Fundort wird auf das mittlere Paläozän vor ca. 61 Ma datiert und ist auch Typuslokalität der bisher ältesten und primitivsten bekannten Pinguinart, Waimanu manneringi. Im Vergleich mit diesem weist der neue Fund jedoch fortschrittlichere Merkmale auf. Im Vergleich zu Waimanu, und ähnlich höher entwickelten Pinguinen, ist der Tarsometatarsus beispielsweise wesentlich stämmiger (das Verhältnis von Länge zu Breite ist 2.0 im Vergleich zu 2.6-3.0). Die anatomischen Unterschiede dürften auch für unterschiedliche Fortbewegungsweisen und ökologischen Nischen zusammenhängen. Folglich gab es eine unerwartete Formenvielfalt der Pinguine bereits zu diesem sehr frühen Zeitpunkt. Dies stützt auch die Vermutung, dass das Taxon der Pinguine seinen Ursprung bereits in der Oberen Kreide fand und nicht, wie durch jüngere, molekulargenetische Untersuchungen nahegelegt, erst im mittleren Paläozän.

Spekulative Lebendrekonstruktion des neuen Riesenpinguins, (basierend auf Waimanu und Crossvallia) im Größenvergleich mit einem Menschen.

Die Länge des Tarsometatarsus ist mit 8.2cm ähnlich wie bei dem Eozänen Anthropornis, mit etwa 165cm Körperlänge einer der größten bekannten Pinguine überhaupt. Bemerkenswert ist das frühe Auftreten solcher extrem großer Formen (größer als der rezente Rekordhalter, der Kaiserpinguin) in der Evolution der Gruppe, die über einen Zeitraum von 30Ma existierten und erst am Übergang zum Neogen verschwanden. Dies könnte eine Folge der Evolution der Zahnwale zu erfolgreichen Konkurrenten und Fressfeinden der Pinguine gewesen sein.

Die phylogenetische Analyse ordnet den neuen Pinguin zusammen mit mehreren anderen Taxa an der Basis einer Gruppe, die alle Pinguine, mit Ausnahme der Gattung Waimanu, umfasst ein. Dass es sich um einen Vertreter der etwas jüngeren und ähnlich großwüchsigen Gattung Crossvallia, dem bislang zweitältesten bekannten Pinguin, handeln könnte kann nicht ausgeschlossen werden, da keiner der bei dem neuen Exemplar erhaltenen Knochen auch bei bisher Crossvallia, zugeordneten Fossilien bekannt ist.

Quelle:
Mayr, G., Pietri, V. L. D. and Scofield, R. P. 2017. A new fossil from the mid-Paleocene of New Zealand reveals an unexpected diversity of world’s oldest penguins. The Science of Nature 104 (3–4): 9.
http://link.springer.com/article/10.1007/s00114-017-1441-0


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Darius ist 20 Jahre alt und studiert seit 2015 an der Uni Bonn Geowissenschaften mit Schwerpunkt Paläontologie. Seine Hauptinteressen sind Paläobiologie und Paläoökologie der Wirbeltiere sowie allgemeine Zoologie, Anatomie und Biomechanik.