Seltene Weichteilerhaltung bei einem Plesiosaurier

Veröffentlicht von
Share Button

Plesiosaurier gehören zu den prominentesten mesozoischen Meeresreptilien. Sie sind durch einen umfangreichen „Fossil record“ der Wissenschaft und der Öffentlichkeit bekannt. Ein deutsch-niederländisch-mexikanisches Forscherteam unter der Leitung von Eberhard „Dino“ Frey hat nun einen neuen Fund eines Plesiosauriers aus Mexiko beschrieben, der nicht nur eine neue Art repräsentiert, sondern auch eine bemerkenswerte Weichteilerhaltung aufweist.

Das so gut wie vollständige Skelett, welches in dem neuen Paper von Frey und seinen Kollegen beschrieben wird, stammt aus der Provinz Nuevo León im nordosten Mexikos, nahe der Grenze zu Texas. Das Fossil stammt aus den Plattenkalken der Aguas Nuevas Formation, die sich vor ungefähr 92 Millionen Jahren ablagerte. Die Forscher ordnen nach einer gründlichen Beschreibung und Merkmalsanalyse das Tier der Familie der Polycotylidae zu. Dabei handelt es sich um eine kleine spät entstandene Linie der Plesiosauria. Polycotyliden kennt man nur aus der Oberen Kreidezeit und obschon einige von ihnen einen relativ kurzen Hals besaßen, sind sie näher mit den langhalsigen Plesiosaurierfamilien verwandt als mit den ebenfalls kurzhalsigen Pliosauriern. Das neue Skelett stellt auch gleich eine eigene neue Art dar. Sie trägt nun den Namen Mauriciosaurus fernandezi, zu Ehren von Mauricio Fernández Garza, der nach Auskunft der Forscher das Skelett für die Wissenschaft zugänglich machte. Das fossile Reptil selbst war bei seinem Tod erkennbar noch ein relativ junges, vielleicht halbwüchses Tier gewesen, was an verschiedenen Verknöcherungsgraden im Skelett erkennbar ist. Dazu passt die mit 1,9 m Länge geringe Größe. Der Fund wird im Museo Papalote Verde in Monterrey mit der Registernummer INAH CPC RFG 2544 P.F.1 aufbewahrt.

Weichteilerhaltung. Das bemerkenswerteste an dem bisher einzigen Exemplar der neuen Art ist jedoch unzweifelhaft die umfangreiche Weichteilerhaltung. Obwohl die Plesiosaurier als marine Gruppe über einen umfangreichen Fossilbericht verfügen, gibt es von ihnen fast keine dokumentierten Exemplare mit Weichteilerhaltung – nicht einmal von Fundstellen, die sonst bekannt für eine extrem gute Erhaltung sind. Lediglich für zwei Exemplare aus dem Schwarzschiefer der deutschen Fundstelle Holzmaden wurde Weichteilerhaltung beschrieben. Vergleicht man dies mit der Häufigkeit von Weichteilerhaltung etwa bei Ichthyosauriern, ist das eine verdammt niedrige Quote.

Das Skelett von Mauriciosaurus

Das Skelett von Mauriciosaurus fernandezi einmal als Fotografie und einmal in der Umzeichnung. In letzterer sind die erhaltenen Weichteile dunkelgrau und schwarz dargestellt. Das Tier ist auf dem Rücken liegend erhalten geblieben. Quelle: Frey et al. 2017. 

 

Das Skelett von Mauriciosaurus fernandezi liefert nun gleich Weichteilerhaltung in einem selten gesehenen Ausmaß: Sie erstreckt sich über Teile des Halsbereiches, die Rumpfseiten, Teile der paddelartigen Gliedmaßen, die Schwanzseiten und auch auf Bereiche zwischen den Bauchrippen. Die früheren Weichteile wurden je nach ihrer Beschaffenheit und Position am Körper unterschiedlich gut und sogar in unterschiedlicher Farbe erhalten: Zwischen den Rippen ist das Material schwärzlich-glänzend, eher rötliches Material an Hals und Flossen, rot-graues Material am Rumpf und dunkelgraue Substanz an der Schwanzwurzel, um nur die markantesten Unterschiede zu nennen. Gerade die rot-grauen Bereiche am Rumpf zeigen eine deutliche Ornamentierung, die ziemlich sicher die frühere Beschuppung des Tieres abbildet. Die schwarzen Bereiche zwischen den Rippen sind am wahrscheinlichsten Rückstände des Bauchfells (Peritoneum), und deuten auf eine schwarze Pigmentierung des selbigen hin.  Die Weichteilabdrücke entlang der Paddel deuten auf eine durch Weichgewebe verbreiterte Hinterkante der Flossen hin.

Einen besonders überraschenden Einblick bieten die fossilen Weichteilrückstände im Schwanzbereich und Teilen des Rumpfes, die wahrscheinlich auf eine Art Unterhautfettgewebe zurückzuführen sind, welches eine nur dünne beschuppte Epidermis unterlagerte. Dieses packte unter anderem den kurzen Schwanz in eine dicke Schicht ein, wodurch dieser wenig beweglich war, der Körper aber stromlinienförmiger.  Die Autoren des Papers vermuten außerdem, dass dieses Unterhautgewebe die Schuld daran trägt, dass so selten Weichteilerhaltung bei Plesiosauriern auftritt – weil es sich üblicherweise schneller vom Leichnam ablöst und dann kein ursprünglicher Körperumriss mehr erhalten bleibt.

Gründe für die Erhaltung. Stellt sich die Frage warum in diesem speziellen Fall eben doch Weichteile ihre Spuren hinterließen. Frey und seine Kollegen vermuten, dass der Leichnam von Mauriciosaurus fernandezi mit dem Rücken auf den Meeresgrund sank und dann im Schlamm einsank. Dadurch war nur die Bauchseite – auf die man auch beim Skelett blickt – der Verwesung preisgegeben. Die Körperhöhle selber kollabierte schließlich, was zu Verschiebungen bei der Stellung der Rippen führte. Doch die Körperoberseite blieb abgeschlossen von jeder Sauerstoffzufuhr, wodurch sich aus dem Unterhautgewebe eine Art Leichenwachs bildete, welches die Überführung des Gewebes in mineralisierte erhaltungsfähige Verbindungen vorbereitete.

Ein derart seltener und hervorragender Fund ist in der Tat ein Glücksfall für die Wissenschaft.

 

Artikel

Frey, E., Mulder, E.W.A., Stinnesbeck, W., Rivera-Sylva, H.E., Padilla-Gutiérrez, J.M. & González-González, A.H. (2017), A new polycotylid plesiosaur with extensive soft tissue preservation from the early Late Cretaceous of northeast Mexico. Boletín de la Sociedad Geológica Mexicana 69 (1), 87-134.

The following two tabs change content below.

Stefan Reiss