Die Mineralogie des Anthropozäns

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Simonkolleit, Foto: RRUFF

Während einige Wissenschaftler noch darüber streiten, ob die Ausrufung des „Anthropozäns“ tatsächlich gerechtfertigt ist, veröffentlichte eine Gruppe U.S.-amerikanischer Wissenschaftler im Journal American Mineralogist eine Studie über 208 neuartige, unmittelbar dem menschlichen Eingriff und Handeln entspringende Minerale. Damit stellen sie gut 4% aller bekannten Minerale. Unter ihnen finden sich originelle Minerale wie der Simonkolleit [Zn5(OH)8Cl2·H2O] in alten Kupferminen. Wie der Mensch der Mineralwelt zu einer Blütezeit verhilft:

Lange Zeit vor dem Einfluss menschlicher Technologien entstand die Vielfalt und Verteilung der Minerale an oder nahe der Erdoberfläche durch physikalische, chemische oder biologische Prozesse. Seit dem Aufkommen des menschlichen Bergbaus und der Weiterverarbeitung seiner Produkte und insbesondere mit Beginn der industriellen Revolution Mitte des 18. Jahrhunderts erlebten mineralähnliche Verbindungen durch die nun allgegenwärtigen Auswirkungen menschlicher Tätigkeiten eine Renaissance und starke Zunahme in Vielfalt und Verteilung. Die Wissenschaftler katalogisierten nun 208 von der International Mineralogical Association (IMA) gelistete Gebilde und unterteilten sie in allgemein existente oder ausschließlich als Folge menschlicher Prozesse auftretende Minerale. Dabei stellten sie drei Hauptarten menschlicher Aktivitäten heraus, die Vielfalt und Verteilung von Mineralien und mineralähnlichen Verbindungen in einem globalen System beeinflussen.

Der offensichtlichste Einfluss ist das weit verbreitete Vorkommen synthetischer,  mineralähnlicher Verbindungen, von denen einige direkt für den Gebrauch (z. B. YAG Kristalle für Laser, Portland-Zement) hergestellt werden und andere, die indirekt bei der Alteration von Tunnelwänden in Bergwerken oder Verwitterung von Halden und Schlacken entstehen. Ein zweiter menschlicher Einfluss auf die Mineralverteilung der Erde nahe der Oberfläche bezieht sich auf die große Materialbewegung von Gesteinen und Sedimenten an Baugrund oder Gruben. Zu guter Letzt zeigen sich die Menschen mittlerweile gnadenlos effizient bei der Umverteilung ausgewählter natürlicher Minerale, wie Edelsteine oder feine Mineralstufen, die rund um den Globus zu ihrem Bestimmungsort transportiert werden. Alle drei genannten Einflüsse dürften als markante stratigraphische Marker bis weit in die Zukunft erhalten bleiben.

  

     

Quelle: geoscienceworld.org

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Christoph Faist

Studiert seit 2015 am gemeinsamen Geozentrum von LMU und TU in München.

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