Führte eine zu lange Brutzeit zum Aussterben der Dinosaurier?

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Foto: Gregory Erickson, FSU

Ein Mensch wird üblicherweise nach neun Monaten geboren, ein Strauß schlüpft nach circa 42 Tagen. Doch wie lange dauerte die Entwicklung des Sauriernachwuchses? Und könnte diese zum Aussterben der Dinosaurier beigetragen haben? Forscher der Florida State University präsentierten nun ihre bahnbrechenden Ergebnisse.

„Eines der größten Rätsel um die Dinosaurier rankt sich um ihre Embryologie – so gut wie nichts ist darüber bekannt“, meint Gregory Erickson, Professor der Biologie an der FSU. „Brüteten sie ihre Eier langsam aus wie ihre reptilischen Verwandten? Oder sehr schnell wie die heutigen „Dinosaurier“, den Vögeln?“ Lange Zeit wurde angenommen, die Saurier-Brutzeit würde ähnlich der von Vögeln ablaufen, deren Nachwuchs innerhalb von 11 bis 85 Tagen schlüpft. Von der Größe vergleichbare Reptilien hingegen bräuchten mehr als doppelt so lange. Da in Dinosauriereiern mit einem Gewicht von bis zu 4kg und der Größe eines Volleyballes auch entsprechend viele Nährstoffe „mitgeliefert“ wurden, gingen die Wissenschafter von einer rapiden Inkubation aus.

„Die Zeit im Ei ist ein entscheidender Punkt in der Entwicklung, leider ist über die frühesten Wachstumsstadien aus Mangel an versteinerten Dinosaurierembryonen kaum etwas bekannt“, sagt Co-Autorin Darla Zelenitsky, Assistenz-Professorin an der  University of Calgary. Diese allerdings zeigten recht deutlich auf, ob sich Dinosaurier eher wie Reptilien oder Vögel entwickelten.

Embryo des Hypacrosaurus, Foto: Darla Zelenitsky

Die Forscher unterschieden in ihren Untersuchungen zweierlei Arten: Zum einen den Protoceratops von der Größe eines Schafes, dessen Eier lediglich 194 Gramm auf die Waage brachten. Zum anderen den in Alberte entdeckten Hypacrosaurus, einen riesigen Entenschnabelsaurier mit über 4kg schweren Eiern. Das Team um Erickson lies jedes Exemplar durch den CT-Scanner laufen, um den sich bildenden Zahndurchbruch zu visualisieren. Weiterhin entnahmen sie einige Zähne, die sie einer intensiveren, mikroskopischen Untersuchung unterzogen. Die dabei aufgefundenen Wachstumslinien der Zähne zeigten, wie lange die Saurier in ihren Eiern heranwuchsen. „Die Linien lassen sich mit Baumringen vergleichen, mit dem Unterschied, dass sich täglich eine Schicht darüberlegt. Wir könnten sie also zählen und hätten sofort die Dauer der Inkubation in Tagen.“, so Erickson.

Für den Protoceratops ergab sich so eine Brutzeit von fast 3 Monaten, für Hypacrosaurus ganze 6 Monate. Diese Zeit entspricht in etwa der von primitiven Reptilien. Eine derart lange Inkubationsdauer erhöhte aber auch das Risiko für Eltern und Gelege gleichermaßen, durch Jäger, Verhungern oder Umweltkatastrophen ihr Leben zu verlieren. Theorien, einige Dinosaurier seien wie die heutigen Zugvögel durch die Lande gezogen, sehen sich durch die neue Studie ebenfalls widerlegt. Im Vergleich zu den Überlebenden des großen Aussterbeereignisses vor rund 65 Millionen Jahren besaßen die riesigen Landlebewesen also sowohl durch die lange Brutzeit, als auch durch die enormen Mengen verbrauchter Ressourcen bis zum Erreichen der Maturität einen evolutionären Nachteil, der auf lange Sicht zum Verschwinden dieses faszinierenden Kreaturen beigetragen haben könnte.

    

    

Quelle: Florida State University

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Christoph Faist

Studiert seit 2015 am gemeinsamen Geozentrum von LMU und TU in München.

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