China plant landesweites Erdbebenfrühwarnsystem

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Ein Warnsignal, Sekunden bevor die Erde anfängt zu beben. Frühwarnsysteme, die lebensrettende Sicherheitsmaßnahmen ermöglichen, sind das Ziel vieler erdbebengefährdeter Regionen der Welt. Erfolgreicher Vorreiter ist Japan, wo mit modernster Technik via Rundfunk und Smartphones die gesamte Bevölkerung vor einem Erdbeben gewarnt werden kann. Ähnlich soll es bald in China funktionieren. Einem Land, das aufgrund seiner schwachen Infrastruktur jährlich Erdbebenopfer zu beklagen hat.

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Nicht nur die erdbebenanfällige Bauweise, die vor allem in den ländlichen Regionen Chinas verbreitet ist, bringen das Land jährlich in der Liste der Schadensbeben auf die oberste Position. Auch die hohe Erdbebenzahl. Rund 30% der weltweiten Erdbeben innerhalb einer tektonischen Platte werden in China registriert. Grund genug also für die Zukunft vorzusorgen und Verluste bei zukünftigen Ereignissen zu reduzieren. Als Maßnahme haben die China Earthquake Administration und die National Development and Reform Commission den Earthquake Prevention and Disaster Mitigation Plan vorgestellt.

Ziel soll es sein, bis Ende 2020 landesweite Erdbebenfrühwarnungen zu ermögliche. In den am meisten gefährdeten Regionen des Landes, vor allem Xinjiang, Sichuan, Yunnan und Gansu, sowie den Provinzen rund um die Hauptstadt Peking, soll ein engmaschiges Netz aus über 15.000 Überwachungsstationen errichtet werden, die seismische Erschütterungen registrieren. Auch die Nachbarländer Nepal und Laos sind in die Planungen miteinbezogen. Kommt es in einer der Regionen zu einem potentiell destruktiven Erdbeben, für chinesische Verhältnisse gilt Magnitude 5 als Schwellwert, sollen diese Stationen es erfassen, bevor die Erdbebenwellen die großen Städte erreichen und damit einige Sekunden Frühwarnzeit ermöglichen. In der Zeit könnten Industrieanlagen abgeschaltet und anfällige Straßen gesperrt werden. Menschen sollen die Möglichkeit haben, ihre Gebäude rechtzeitig zu evakuieren.

Durch das dichte Netz an Stationen wird zudem eine bessere wissenschaftliche Auswertung von starken Erdbeben ermöglicht werden, wodurch binnen Minuten eine Verteilung der Intensitäten ermittelt werden kann. Damit soll die Koordination von Rettungsarbeiten nach einem Beben verbessert werden.
Für die Küstenregionen von China, besonders die Provinzen Fujian, Guangdong, Zhejiang und Shanghai, soll zudem ein Tsunami-Frühwarnsystem errichtet werden. Rund 600 Kilometer vor der Küste, zwischen Japan, Taiwan und den Philippinen, verläuft eine Subduktionszone, an der schwere Erdbeben Tsunamis auslösen können. Die Kosten für das Projekt sollen 2 Milliarden Yuan (300 Mio. Euro) betragen.

Bereits seit einigen Jahren testet China in den Millionenstädten Chengdu (Sichuan), Peking und Guangzhou (Guangdong) erfolgreich Erdbebenfrühwarnsysteme. Große Beben, bei denen diese Städte ernsthaft bedroht waren, hat es in der Zeit aber nicht gegeben.

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Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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