Zwölf Dinge, die ihr über die Aachener Thermalquellen wissen solltet

Share Button

In dieser neuen Serie möchten wir euch ein wenig mit Hintergrundinformationen zu bekannten geologischen Themen versorgen. Im Fokus soll dabei interessantes und wenig bekanntes stehen, aber auch die Aufklärung von Missverständnissen.
Thema 1: Die Aachener Thermalquellen

Übersicht der Aachener Thermalquellen

1. Zwei Thermalwasserzüge

Auf dem Aachener Stadtgebiet befinden sich zwei Thermalwasserzüge, an denen das Thermalwasser an die Oberfläche dringt. Im Norden liegt der Aachener und weiter südlich der Burtscheider Thermalwasserzug. Beide verlaufen durch die Zentren der namensgebenden Orte in SW-NE Richtung.

2. Wasser aus dem Massenkalk

Als Grundwasserleiter dient in beiden Fällen eine dünne Gesteinsschicht aus Devonischen Massenkalk, die an zwei parallelen Überschiebungen an die Oberfläche tritt. Das Wasser im Gestein ist artesisch gespannt.

3. Heißeste Quellen Mitteleuropas

Dank der geologischen Situation sind die Thermalquellen in Burtscheid die heißesten in Mitteleuropa und erreichen am Austritt bis zu 72° Celsius. Nur die heißen Quellen in Karlsbad / Tschechien erreichen ähnliche Temperaturen.

Anzeige

4. Burtscheid heißer als Aachen

An der Burtscheider Überschiebung tritt der Massenkalk steiler an die Oberfläche. Dies ermöglicht eine schnellere Aufstiegsgeschwindigkeit des Wassers, sodass das Wasser weniger stark abkühlt.

5. Wärme aus der Tiefe
Erhitzt wird das Wasser in einer Tiefe von rund 3000 Metern durch die dort herrschenden Temperaturen auf rund 130°. Einfluss nimmt übrigens nur die normale Erdwärme. Ein Zusammenhang mit vulkanischer Aktivität besteht nicht, auch wenn sich bei vielen Bewohnern Aachens dieses Gerücht hartnäckig hält.

6. Fossil oder erneuerbar?
Zum Ursprung des Wassers gibt es zwei verschiedene Theorien. BREDDIN (1963) ging davon aus, dass das Wasser durch tektonische Prozesse im Gestein eingeschlossen wurde und so nur ein endliches Volumen umfasst. POMMERING (1993) jedoch spricht von einem Einzugsgebiet in der Eifel, das rund 50 km² groß sei. Durch die Höhenunterschiede kommt es zur artesischen Spannung. Demnach wäre das Thermalwasser rund 10.000 Jahre alt und wird immer wieder neu gebildet.

Anzeige

7. Thermalwasser prägt Stadtgeschichte
Unabhängig vom Alter des Thermalwassers hat es die Stadtgeschichte von Aachen maßgeblich geprägt.  Bereits in der Steinzeit nutzten germanische Stämme das Gebiet als Siedlungsraum. Gesicherte Überlieferungen der gezielten Nutzung des Thermalwassers reichen etwa 2000 Jahre zurück, als römische Siedler das heiße Wasser für Heilquellen nutzten und die Stadt Aquae Granni gründeten.
Nach dem Zerfall des römischen Reiches zum Ende der Antike, gerieten die Quellen in Vergessenheit.
Erst im 8. Jahrhundert entdeckte Karl der Große die Quellen wieder. Die Stadt Aquis Villa, aus der
sich das heutige Aachen entwickelt hat, wurde gegründet.

8. Vom Bad ins Abwasser
Die Thermalwässer wurden lange wirtschaftlich genutzt. Zum Teil in Thermalbädern, die in früheren Zeiten den Monarchen vorbehalten waren, und zum Teil als Trink/Heilwasser. Inzwischen sind viele der Quellen aus dem Stadtbild verschwunden und hinter Gullys verborgen. Das austretende Wasser wird größtenteils ins Abwasser geleitet, wo es aufgrund der hohen Temperaturen zu Problemen führt, da es das Wachstum von Bakterien begünstigt.

9. Mythos Domquelle
Wegen archäologischer Funde wurde lange gemutmaßt, dass es unter dem Aachener Dom früher eine Quelle gegeben hat. Die Existenz dieser Domquelle (auch Münsterquelle genannt) konnte aber durch geologische Untersuchungen widerlegt werden. Die Thermalwasser führende Kalksteinschicht befinde sich demnach mehrere Meter unterhalb der Geländeoberkante, überlagert von Sedimenten, und damit in
einer für römische Bauwerke nicht erreichbare Tiefe. Das Thermalwasser zur Nutzung der Therme
haben die Römer, so wird vermutet, aus der benachbarten Quiriniusquelle bezogen, die die
südwestlichste Quelle des Oberen Aachener Quellenzuges darstellt.

Anzeige

10. Thermalwasser als „Arzneimittel“
Über 12 m³ Wasser treten pro Stunde aus der Kaiserquelle im Aachener Stadtzentrum aus, die noch erhalten aber nicht öffentlich zugänglich ist. Mit bis zu 52° handelt es sich um eine der wärmsten Quellen in Zentrum von Aachen. Der hohe Mineralgehalt von bis zu 4g/l lässt das Wasser korrosiv wirken. Es steht seit 2012 unter dem Arzneimittelschutzgesetz.

11. Öffentlicher Brunnen
Das Wasser der Kaiserquelle wurde bis 2009 in Flaschen abgefüllt und verkauft. Exporte gingen bis in die Niederlande und nach Belgien. Ein Teil des Thermalwassers (ca. 2 m³/h) wird noch heute zum Betrieb des Elisenbrunnens verwendet, wo das Thermalwasser frei zugänglich ist und beliebig genutzt werden kann.

12. Burtscheider Quellen zu heiß für Schwefelgeruch.
Mineralische Hauptbestandteile des Wassers sind neben Natrium, Chlorid und Hydrogencarbonat auch Schwefelverbindungen. (Bezeichnung: „Natrium-Chlorid-Hydrogenkarbonat-Wasser“) Diese werden durch Bakterien reduziert und geben dem Wasser den typischen Schwefelgeruch und -geschmack. In den Burscheider Quellen fehlt dieser, da das Wasser zum Überleben der Bakterien zu heiß ist.

The following two tabs change content below.
Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.