Die Erde bremst nicht so schnell ab, wie sie sollte

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Mit Hilfe alter Aufzeichnungen von 720 v. Chr. bis 1600 n. Chr. berechnen Forscher die damalige Rotationsrate der Erde und können sie nun mit der heutigen vergleichen.

Ein Forscherteam von der Universität Durham untersuchte historische Aufzeichnungen, die Hinweise über die Erdrotation enthalten. Dafür nutzten sie Quellen von Zivilisationen auf der ganzen Erde von insgesamt fast 3000 Jahren Geschichte.

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Als die damaligen Astronomen Sonnen- und Mondfinsternisse beobachteten, ahnten sie womöglich nicht, dass ihre Aufzeichnungen heute verwendet werden, um die Erdrotation zu berechnen. Quelle: fineartamerica

Sie berechneten, dass ein Tag auf der Erde in jedem Jahrzehnt um etwa zwei Tausendstel einer Sekunde länger wird. Die Arbeit wurde im Journal „Proceedings of the Royal Society A“ veröffentlicht.

Dass die Erde sich immer langsamer um sich selbst dreht, ist nicht neu. Dies ist ein Naturgesetz. Ein kleiner Teil des Drehmomentes wird ständig an den Orbit des Mondes übertragen. Der Mond wird also immer schneller und entfernt sich dabei immer weiter von der Erde – in etwa 4 cm pro Jahr.

Dem Team, bestehend aus Richard Stephenson, Leslie Morrison und Catherine Hohenkerk, standen Aufzeichnungen von babylonischen Astronomen, der chinesischen Dynastie, des frühen Griechenlands und arabischer Astronomen zur Verfügung. Manche dieser historischen Aufzeichnungen waren datiert, manche nicht. Aber selbst die Aufzeichnungen ohne Daten waren hilfreich, da eine ungefähre zeitliche Einordung durch Mond- und Sonnenfinsternisse möglich ist.

Seit 1600 heutiger Zeitrechnung spielten Beobachtungen mit dem Teleskop eine wichtige Rolle, genauere Informationen zu den Finsternissen zu erhalten.

Die drei Forscher schlossen an vorherige Arbeiten an und konnten so das Archiv der Aufzeichnungen erweitern, um die bis dahin noch ungenaueren zu verbessern.

Simulationen, die sie mit eigener Software durchführten, zeigten, dass die Rotationsrate auf einer Skala von etwa 1500 Jahren fluktuiert. Im Mittel bedeutet das, dass eine Erdrotation – also die Länge eines Tages – um etwa 1,78 Millisekunden pro Jahrzehnt angestiegen ist. Das ist weniger, als der zuvor vorhergesagte Anstieg von 2,3 Millisekunden.

Die Forscher sehen ihre Ergebnisse als Randbedingungen für weitere geophysikalische Studien der Kern-Mantel-Kopplung, nacheiszeitlicher Isostasie und Meeresspiegel-Änderungen der letzten 2700 Jahre, was alles mit dem verzögerten Abbremsen der Erdrotation zu tun haben kann.

 

Quelle: https://cosmosmagazine.com/physics/earth-s-spin-is-slowing-but-not-as-much-as-it-should

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Shari van Treeck

Shari van Treeck, 29, hat BSc Geophysik und Meteorologie und MSc Physik der Erde und Atmosphäre mit dem Schwerpunkt Weltraumgeophysik an der Universität zu Köln studiert. Seit 2015 ist sie Doktorandin im Sonderforschungsbereich Transregio 32 an der Universität Bonn in der angewandten Geophysik.