Eisdecke der westlichen Antarktis bricht auseinander

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Einer der Hauptgletscher in der Antarktis droht, abzubrechen. Dafür ist vermutlich der immer wärmer werdende Ozean am Rande des Kontinents verantwortlich, der das ewige Eis schwächt.

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Riss im Pine Island Gletscher, West-Antarktis. Quelle: NASA/Nathan Kurtz

Der Pine Island Gletscher gehört zu dem Eisschelf, der den Westen der Antarktis umgibt. Er ist einer der beiden Gletscher, die unter besonderer Beobachtung der Forscher liegen. Denn hier spielt sich die Gletscherbewegung viel schneller ab, als normalerweise. Das heißt, dass mehr und mehr Eis vom Innern des Schelfs bis zum Ozean gebracht wird, wo es dann schmilzt und Küstenlinien überall auf der Welt überfluten kann.

Beim Testen einer neuen Bildverarbeitungssoftware im letzten Jahr entdeckten Forscher der Ohio State University ungewöhnliche Veränderungen auf den Satellitenbildern des Gletschers. Es stellte sich heraus, dass ein Eisberg von 580 km² Größe von dem Gletscher abgebrochen war.

Mit Hilfe älterer Bilder von 2013 konnten die Forscher nachvollziehen, dass sich am Fuße des Shelfs, etwa 30 km landeinwärts, ein Riss formte. Dieser breitete sich über zwei Jahre hinweg aus, bis er nun die Eisoberfläche erreichte und den Eisberg so vom festen Shelf trennte.

Das Team veröffentlichte diese Entdeckung im Fachjournal Geophysical Research Letters.

„Es ist allgemein akzeptiert, dass die Frage nicht länger ist, ob das westantarktische Eisshelf schmelzen wird, sondern wann“, sagt der Führer der Studie Ian Howat, assoziierter Professor der Erdwissenschaften an der Ohio State. „Diese Art der Rissbildung sorgt für einen schnelleren Rückbau der Gletscher, womit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass wir womöglich einen bedeutenden Zerfall der westlichen Antarktis innerhalb eines Menschenlebens mitverfolgen können.“

Es ist zwar das erste Mal, dass sich solch ein Bruch unterhalb der Oberfläche des antarktischen Eises entwickelt, aber ähniche Risse konnten schon am grönlandischen Eisshelf beobachtet werden. Dort sickert Ozeanwasser durch das Festgestein und bringt das Eis so von unten zum Schmelzen.

„Risse formen sich normalerweise am Rande des Eisshelfs, dort wo das Eis eher dünn ist und durch Scherspannung abgerissen wird,“ erklärt Howat. „Dennoch entstand dieser Riss im Inneren des Eisshelfs und breitete sich von dort bis an die Ränder aus,“ so Howat. „Das impliziert, dass etwas das Innere des Eisshelfs geschwächt hat, womöglich eine Gletscherspalte, die auf Höhe des Festgesteins durch den wärmenden Ozean entstand.“

Ein anderer Hinweis könnte sein, dass der Riss sich schon am Fuße einer Art „Tal“ des Eisshelfs gebildet hat, wo das Eis schon vorher dünner als in der Umgebung war.
Forscher vermuten schon länger, dass sich solch ein Tal dort bildet. Der Grund der westantarktischen Eisdecke liegt unterhalb des Meeresspiegels, folglich kann Ozeanwasser tief bis ins Inland vordringen und dort unentdeckt bleiben. Formen sich nun weitere Täler an der Oberfläche, so heißt das, dass das Eis schon viel weiter unten begonnen hat zu schmelzen.
Der Ursprung des Risses im Pine Island Gletscher wäre auch unentdeckt geblieben, wären die Satellitenbilder nicht aufgenommen worden, als die Sonne tief am Himmel stand. So fielen Howat und seinem Team die langen Schatten des Tals auf, die sich über das Eis zogen.

„Das wirklich besorgniserregende daran ist, dass es weiter oben am Gletscher noch viele weitere dieser Täler gibt,“ fügt Howat hinzu. „Wenn diese ebenfalls Schwachstellen darstellen, die anfällig für Risse sind, dann können wir wahrscheinlich einen noch schnelleren Eisverlust der Antarktis beobachten.“

In der Antarktis ist mehr als die Hälfte des weltweiten Süßwassers gefroren. Der Pine Island Gletscher und sein Nachbar, der Thwaites Gletscher, befinden sich am äußeren Rand einer der aktivsten Gletschergebiete des Kontinents. Sie blockieren den Eisstrom und halten etwa 10% der westantarktischen Eisdecke davon ab, ins Meer zu fließen.
Studien zeigen, dass die westantarktische Eisdecke teilweise sehr instabil ist und innerhalb der nächsten 100 Jahren kollabieren könnte. Dies würde einen Anstieg des Meeresspiegels von etwa 3 Meter zur Folge haben, was bedeutet, dass weltweit 150 Millionen Menschen in Küstenregionen betroffen sind.

„Wir müssen genau verstehen, wie sich diese Täler und Risse formen und was sie für die Instabilität des EIsshelfs bedeuten,“ sagt Howat. „Die Informationen, die wir vom Weltall aus bekommen, sind begrenzt. Das heißt, dass zielgerichtete Luft- und Feldkampagnen von Nöten sind, um detaillierte Informationen zu erhalten.“

 

Quelle: https://www.sciencedaily.com/releases/2016/11/161128085341.htm

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