Höhere Tsunamigefahr für Hongkong

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Tsunamis gehören zu den gefährlichsten Naturkatastrophen. Binnen Minuten können sie hunderte Kilometer lange Küstenabschnitte verwüsten und tausende Menschen töten. Besonders dicht besiedelte Küstengebiete in seismisch aktiven Regionen sind gefährdet. Eine neue Studie zeigt, dass die Bedrohung unter anderem für das Ballungszentrum Hongkong im Süden von China deutlich höher ist, als bisher angenommen.

Manila. Nicht jedes Seebeben verursacht einen Tsunami. Meist folgen diese Wellen auf großen Erdbeben an Subduktionszonen, sogenannte „Megathrust“-Erdbeben, wo sich eine Lithosphärenplatte unter eine andere schiebt. Durch die plötzlichen Bewegungen des Gesteins wird die oberhalb liegende Wassersäule ruckartig bewegt. Es entsteht ein Wellenberg, der sich vom Epizentrum in alle Richtungen ausbreitet.
Bekannte und große Subduktionszonen sind vor allem in Indonesien, Chile und Japan zu finden, wo entsprechende Megathrust-Ereignisse in den Jahren 2004, 2010 und 2011 hunderttausende Menschen töteten. An vielen Ozeanen gibt es aber kleinere Subduktionszonen, wo Megathrust-Erdbeben zwar seltener, aber nicht ungefährlicher sind. In Europa gibt es eine vor der griechisch-türkischen Küste. Der bekannteste und verheerendste Tsunami datiert auf das Jahr 365 n. Chr. wo weite Teile der Ägyptischen Küsten verwüstet wurden.

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manilaEine Subduktionszone, vor der immer wieder gewarnt wird, befindet sich vor der Küste der philippinischen Insel Luzon im Südchinesischen Meer. Diese ist mehr als 1000 Kilometer lang und ist in der Lage ein Erdbeben der Stärke 9 hervorzuringen. Problematisch: Seit beginn der gesicherten Aufzeichnungen zu beginn der Kolonialisierung der Philippinen im 16. Jahrhundert gibt es keine Angaben über ein solches Megathrust-Beben. Legt man die Bewegungen der Platte zugrunde, müsste sich bereits genug Spannung aufgebaut haben, um ein solches Erdbeben möglich zu machen. Dies macht den nach der philippinischen Hauptstadt benannten Manila-Trench zu einer der gefährlichsten Subduktionszonen der Welt. Neben den dicht besiedelten Küsten Luzons, einschließlich der Hauptstadt Manila, würden auch die Küsten von Taiwan, China, Vietnam, Malaysia, Indonesien und Brunei vom Tsunami betroffen sein. Bereits ein Beben der Stärke 8 könnte in der Bucht von Manila einen bis zu 10 Meter hohen Tsunami auslösen.

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Eine neue Studie zeigt, dass das Tsunamirisiko eines Megathrust-Erdbebens der Stärke 9 bislang noch stark unterschätzt wurde. Forscher betrachteten bei der Analyse der möglichen Tsunami-Höhe mit dem Monte Carlo probabilistic tsunami hazard assessment (PTHA) Modell. Dabei betrachteten sie lokale Heterogenitäten in der Plattenbewegung. Aus tausenden Modellläufen mit verschiedenen Ausgangsszenarien ergab sich für viele Küsten der Südchinesischen Meeres eine deutlich größere Bedrohung. Neben der Küste von Luzon sind es vor allem die Wirtschaftszentren Hongkong und Macau, wo ein möglicher Tsunami einen halben Meter höher sein könnte, als bisher angenommen. Auch in anderen Tsunamimodellen seien diese komplexen Bewegungen nicht berücksichtigt worden. Somit könnten auch in anderen tsunamigefährdeten Gebieten lokal größere Wellenhöhen erreicht werden, als bisher angenommen wird.

Veröffentlichung: Li, L. (2016), How heterogeneous coseismic slip affects regional probabilistic tsunami hazard assessment: A case study in the South China Sea


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Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.