Neue Evakuierungspläne für Neapel

Veröffentlicht von
Share Button

Ein Szenario, das der Alptraum von Behörden und Vulkanologen in vielen Regionen der Welt ist: Ein Vulkanausbruch bedroht eine Millionenstadt. Wie können alle Anwohner rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden?
Die italienische Stadt Neapel liegt eingekesselt zwischen den Vulkanen Vesuv und Campi Flegrei. Um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein, hat der Zivilschutz neue Evakuierungspläne entwickelt, um alle Menschen binnen weniger Tage aus der Gefahrenzone zu bringen. Dabei wurde die Gefahrenzone erweitert.

Neapel. Durch die engen Häuserschluchten der Innenstadt ist der Vesuv nur selten zu erspähen. Doch die Bewohner wissen um die Gefahr, die ihnen durch den Vulkan droht. Als „gefährlichster Vulkan Europas wurde er häufig betitelt. Die Ruinen von Pompeji, wo 79 nach Christus hunderte Menschen ihr Leben verloren haben, zeugen von der Zerstörungskraft. Um bei zukünftigen Eruptionen eine solche Katastrophe zu verhindert, überarbeitet der italienische Zivilschutz zur Zeit seine Pläne für den Ernstfall. Die wichtigste Fragestellung ist dabei: Wie kann man knapp eine Million Menschen aus der Gefahrenzone bringen?

Anzeige
Ruinen von Pompeji am Fuße des Vesuvs (Foto: Jens Skapski)
Ruinen von Pompeji am Fuße des Vesuvs (Foto: Jens Skapski)

Die Rote Zone, wo bei einem Ausbruch todbringende pyroklastische Ströme niedergehen könnten, müsste zuerst evakuiert werden. Diese umfasst das Gebiet um den Vulkan und reicht bis in die Innenstadt von Neapel. Etwa 700.000 Menschen in 25 Kommunen wären betroffen. Die neuen Pläne, die bis Ende Oktober fertiggestellt werden sollen, schreiben einen Evakuierungszeitraum von 72 Stunden vor: 12 Stunden für die Organisation, 48 für den Abtransport und weitere 12 als „Puffer“. Geplant ist der Einsatz 500 Bussen und 220 Zügen pro Tag, um die Menschen aus der Gefahrenzone zu bringen. Zudem soll die individuelle Evakuierung mit Privatfahrzeugen durch Polizeibeamte geregelt werden. Von 14 zentralen Sammelpunkten außerhalb der Roten Zone ist ein Transport der Anwohner in andere italienische Regionen geplant, die je nach Heimatkommune festgelegt wird. So würden Bewohner der heutigen Stadt Pompei per Schiff nach Sardinien evakuiert werden.
Die Region Kampanien stellt den Kommunen innerhalb der Evakuierungszone finanzielle Mittel zur Verfügung, um die Infrastruktur für eine mögliche Evakuierung auszubauen.

Anzeige

Bis Ende des Jahres sollen die neuen Pläne durchgesetzt sein. Dass der Vesuv zur Zeit keine Aktivität zeigt, sei laut Vincenzo De Luca, dem Leiter des Zivilschutzes, ein großer Vorteil. Dadurch sei es möglich, die Bevölkerung in den kommenden Jahren mit den Plänen vertraut zu machen um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Dazu ist allerdings die Unterstützung der Kommunen erforderlich, wo bereits in den Schulen Informationsbroschüren besprochen werden sollten.

Auch für den Nachbarvulkan Campi Flegrei werden entsprechende Evakuierungspläne fertiggestellt, die nach dem gleichen Schema verlaufen. Zur Roten Zone gehören dort zum Beispiel die Städte Pozzuoli und Baia, sowie der Westen für Neapel. Dort leben insgesamt etwa 550.000 Menschen.

Ob eine Evakuierung eingeleitet wird, sei abhängig von den Einschätzungen der Vulkanologen. Je nach Aktivitätsstatus des Vulkans wird eine von vier Warnstufen (0: Normale Aktivität; 1: Erhöhte Aktivität; 2: Vorwarnung; 3: Akutwarnung) ausgerufen. Bei Warnstufe 2 sollen zunächst Krankenhäuser und Pflegeheime evakuiert werden, bei 3 folgt die restliche Bevölkerung. Das Vesuv Vulkanobservatorium überwacht beide Vulkane rund um die Uhr. Der Vesuv zeigt zur Zeit keine Aktivität und steht auf Warnstufe 0. Campi Flegrei steht wegen der höheren Erdbebenaktivität und andauernden Bodenhebungen und -senkungen seit einiger Zeit auf Stufe 1.

Weitere Informationen auf der Homepage des Zivilschutzes. Ein vorläufiger Entwurf der Evakuierungspläne ist als Dokument verfügbar.


GeoHorizon ist ein Informationsportal, das aktuelle Meldungen aus den Fachgebieten der Geowissenschaften veröffentlicht. Wir richten uns an Experten und Laien, die von Geologie fasziniert sind, und möchten das nötige Hintergrundwissen jedermann zugänglich machen.

Folgt uns auf Facebook

Anzeige

Ähnliche Beiträge
Vulkane stellen eines der beeindruckendsten geologischen Phänomene dar. Ihre Ausbrüche sind in vielen Fällen schön
Eine neue Studie zeigt, dass über die gesamte Mondoberfläche verteilte vulkanische Ablagerungen, im Vergleich zum
Forscher haben festgestellt, dass die Bildung und Trennung von Superkontinenten über Hunderte von Millionen Jahren
Ein Team der Universität Cambridge entwickelte kürzlich eine neue Methode, den Druck im Inneren von
Während der letzten 800.000 Jahre zeigten antarktische Temperaturen und atmosphärischer Kohlendioxidgehalt eine im Wesentlichen gleichgerichtete

 

Ähnliche Beiträge
Vulkane stellen eines der beeindruckendsten geologischen Phänomene dar. Ihre Ausbrüche sind in vielen Fällen schön
Eine neue Studie zeigt, dass über die gesamte Mondoberfläche verteilte vulkanische Ablagerungen, im Vergleich zum
Forscher haben festgestellt, dass die Bildung und Trennung von Superkontinenten über Hunderte von Millionen Jahren
Ein Team der Universität Cambridge entwickelte kürzlich eine neue Methode, den Druck im Inneren von
Während der letzten 800.000 Jahre zeigten antarktische Temperaturen und atmosphärischer Kohlendioxidgehalt eine im Wesentlichen gleichgerichtete
The following two tabs change content below.
Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.