CO2-„Normalwert“ nach oben korrigiert

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Normalerweise steigt das Kohlenstoffdioxid-Level während des Winters an und sinkt dank der Photosynthese der Pflanzen während der Sommermonate wieder ab. In diesem Jahr jedoch wurde ein besorgniserregender Meilenstein überschritten: Erstmals seit Beginn der Eiszeiten wird der CO2-Wert der Atmosphäre nicht unter 400ppm (Teile einer Million) fallen.

„Es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir in innerhalb einer Lebensspanne oder auch viel längerer Zeit wieder auf unter 400ppm zurückfallen werden“, meint Pieter Tans, führender Wissenschaftler des Global Greenhouse Gas Reference- Network der NOAA. Er stützt sich dabei auf Messungen des Atmosphärischen Observatoriums am Vulkan Mauna Loa und am Südpol, die beide nahelegen, dass diese Zeit wohl für immer vergangen ist.

Doch was ist so besonders an 400ppm? 400 Teile einer Million ist ein willkürlich gesetzter Meilenstein, der aber gleichzeitig ein Fenster in die Zukunft eröffnen könnte. Das letzte Mal, als der CO2-Wert derart hoch lag, war in der Warmzeit des Mittleren Pleistozäns vor rund drei Millionen Jahren. Paläoklimatologen gehen davon aus, dass damals weit weniger Eismassen an Arktis und Antarktis vorhanden waren, die sich kühlend auf das Klima ausgewirkt hätten. Aus diesem Grund lag der Meeresspiegel knapp 20 Meter höher als Heute, Bäume hielten an den Polen Einzug und tropische Regenwälder verbreiteten sich nicht nur in Äquatornähe rasend. „Auch wenn es geringfügige Unterschiede in der Paläogeographie und der Bahn der Erde um die Sonne gibt, könnte das Pliozän einen Eindruck von dem geben, was das Klima der Zukunft bringen wird“, so Bruce Bauer, Wissenschaftler am NOAA National Center.

Rot: Schwankungen der atmosphärischen CO2-Konzentration im Jahresverlauf, schwarz: Jahresdurchschnittswerte; Grafik © NOAA/ESRL

Rot: Schwankungen der atmosphärischen CO2-Konzentration im Jahresverlauf, schwarz: Jahresdurchschnittswerte; Grafik © NOAA/ESRL

Tans zufolge steigt der CO2-Wert in der Atmosphäre mehr als 100mal schneller, als in Eiskernbohrungen der vergangenen 800.000 Jahre nachgewiesen werden konnte. Solange der Konsum fossiler Treibstoffe auf einem ähnlich hohen Level bleibt wie zuletzt, wird dieser Prozess weiter andauern.

Im Großteil der menschlichen Geschichte lag die CO2-Quote auf etwa 278ppm, was ein relativ stabiles und der Humanevolution zuträgliches Klima zur Folge hatte. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts sorgten massive Waldrodungen und die beginnende Industrialisierung, die für die Produktion von Elektrizität, Stahl und Öl Unmengen des Treibhausgases in die Atmosphäre pumpten, für einen raschen Anstieg des Wertes (wir berichteten). Und doch – meint Tans – wurden mehr als 85% der fossilen Treibstoffe während seines Lebens konsumiert.

   

    

Quelle: NOAA (01.10.16)

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Christoph Faist

Studiert seit 2015 am gemeinsamen Geozentrum von LMU und TU in München.

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