Früher „dreiäugiger“ Archosaurier glich den späteren Dickschädel-Dinosauriern

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Dinosaurier sind für ihre Formenvielfalt bekannt. Viele Morphotypen haben sich aber bereits viele Millionen Jahren davor auch unabhängig bei anderen Archosauromorphen entwickelt. Ein Team um Michelle Stocker von der University of Texas beschreibt jetzt einen neuen Archosaurier, der bemerkenswerte Ähnlichkeiten zu Pachycephalosauriern („Dickschädel-Dinosaurier“) zeigt.

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In der Natur können sich im Grunde ähnliche Formen und Verhaltensweisen mehrmals unabhängig voneinander entwickeln. Dieses als konvergente Evolution bezeichnete Phänomen lässt sich bei den verschiedensten Organismengruppen nachweisen, zuletzt z.B. bei Spinosauriern und Hechtcongern. Ein weiteres Beispiel beschreiben jetzt Stocker et al. anhand eines bis dato unbekannten Archosauriformen.

Das bislang einzige bekannte Fossil des Triopticus primus getauften Reptils ist der hintere Teil eines Schädels, der in den texanischen Otis Chalks gefunden wurde und ein Alter von ca. 228-220 Mio. Jahre (frühe Obertrias) aufweist. Aus den Otis Chalks ist auch bereits eine Fülle anderer Archosauromorphen bekannt, darunter Phytosaurier und Aetosaurier. Von diesen unterscheidet sich der neue Triopticus unter anderem durch einen vergrößerten, stark verknöcherten Hirnschädel und seine relativ großen Augehöhlen. Der verknöcherte Hirnschädel besteht aus fünf verschiedenen Höckern, am Hinterhaupt finden sich mehrere knotenartige Strukturen.

Lebendrekonstruktion des Pachycephalosauriers Stegoceras validum. von FunkMonk unter CC-BY-SA 4.0
Lebendrekonstruktion des Pachycephalosauriers Stegoceras validum. von FunkMonk unter CC-BY-SA 4.0

Mit diesen Merkmalen ähnelt Triopticus einer Gruppe von Dinosauriern, die erst viel später, frühestens während des Juras, erstmals auftraten: die Pachycephalosaurier („Dickschädel-Dinosaurier“). Weiterhin zeigen sowohl die Schädel der Pachycephalosaurier als auch der von Triopticus eine stark geraute Oberfläche, die eine einstige Mineralisierung des Hirnschädels und Verknöcherung der Lederhaut belegen. Das wiederum spricht nach Ansicht der Wissenschaftler dafür, dass der Hirnschädel einst auch von Hornsubstanz bedeckt war, die genaue Ausprägung bleibt in diesem Fall allerdings unbekannt.

Tatsächlich aber war Triopticus nicht der einzige Archosauriforme, dessen Körperbau viele Millionen Jahre später von anderen Archosauriern „kopiert“ wurde. So ähneln die schwergepanzerten Ankylosaurier aus Jura und Kreide den triassischen Aetosauriern (die tatsächlich nahe mit den Krokodilen verwandt sind). Die Krokodile wiederum weisen einen ähnlichen Bauplan und Lebensweise wie die ebenfalls triassischen Phytosaurier auf.

Zwar sind diese Ähnlichkeiten schon lange bekannt, eine genaue Analyse zwischen den verschiedenen Gruppen blieb aber bislang aus. Stocker und Kollegen haben deshalb zusätzlich die Archosauromorphen der Otis Chalks mit anderen morphologisch konvergenten Archosauriern, vor allem Dinosauriern und Krokodilen, verglichen. Besonders im Hinblick der Schädelmorphologie können Stocker et al. verschiedene konvergente Gruppen charakterisieren. So zum Beispiel langschnäuzige Fischfresser (Gavial, Spinosaurier, Phytosaurier), Carnivoren (Frühe Archosauromorphen, die meisten theropoden Dinosaurier) und Herbivoren (die Krokodilverwandten Revueltosaurus und Effigia, sowie Vogelbecken-Dinosaurier und einige Theropoden).

Model des Phytosauriers Paleorhinus. Der Bauplan hat sich später auch unabhängig bei den Krokodilen entwickelt. von Shalom unter CC-BY-SA 3.0
Model des Phytosauriers Paleorhinus. Der Bauplan hat sich später auch unabhängig bei den Krokodilen entwickelt. von Shalom unter CC-BY-SA 3.0

Zum Abschluss: warum „dreiäugiger“ Archosaurier? Triopticus primus besaß neben den beiden Augenhöhlen noch eine weitere mediane Grube auf dem verknöcherten Schädeldach. Die Wissenschaftler geben zwar zu, dass sich diese Grube einfach sekundär zu den fünf Höckern gebildet haben könnte. Allerdings wollen sie auch nicht ausschließen, dass es sich dabei um die Ansatzstelle von Pinealocyten handelt, die bei manchen Wirbeltieren ein sogenanntes Scheitelauge bilden und beim Menschen noch in Form der Zirbeldrüse existieren.

 

Näheres hier: Michelle R. Stocker, Sterling J. Nesbitt, Katharine E. Criswell, William G. Parker, Lawrence M. Witmer, Timothy B. Rowe, Ryan Ridgely, Matthew A. Brown (2016), A Dome-Headed Stem Archosaur Exemplifies Convergence among Dinosaurs and Their Distant Relatives, Current Biology http://bit.ly/2dzliAK

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Pascal Abel, 22, studiert Geowissenschaften im Master am GeoZentrum Nordbayern mit den Vertiefungen Paläobiologie und Sedimentologie. Interessenschwerpunkte sind Wirbeltiere, Paläoökologie und Paläoumwelt. Bloggt auch nebenbei noch auf www.erdgeschichten.wordpress.com

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