Studie zeigt: Stärkere Erdbeben bei Vollmond

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Die Gezeitenkräfte von Mond und Sonne können nicht nur Ebbe und Flut beeinflussen. Eine neue Studie japanischer Forscher zeigt, dass eine Korrelation zwischen dem Auftreten großer Erdbeben und den Mondphasen besteht. Besonders in zwei Situationen ist dabei das Risiko von schweren Erdbeben erhöht.

Tokyo. Seit Jahrzehnten beschäftigen Astro- und Geophysiker sich mit der Frage, ob die Gravitation anderer Himmelskörper Einfluss auf die Aktivität der Erde hat. Besonders Sonne und Mond, deren Auswirkungen sich in den zweimal täglich auftretenden Gezeiten Ebbe und Flut zeigen, wirken auf den Planeten ein. Bereits nachgewiesen wurde, dass die Anziehungskraft auch die Erdkruste anhebt. An großen Störungen wie der San Andreas oder der Cascadia-Störung in den USA führt das nachgewiesenermaßen zu Mikroerdbeben. Doch zu großen Erdbeben gab es bislang keine Verbindung.

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Von Torsten Edelmann (wonderplanets.de) - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1700162
Von Torsten Edelmannwonderplanets.deWikimediaCC-BY-SA 2.5

 

Forscher der Universität Tokyo zeigten nun in einer Studie, die in Nature Geoscience veröffentlicht wurde, den gesuchten Zusammenhang. Dazu untersuchten sie die Zeitpunkte von insgesamt 10.000 Erdbeben über Magnitude 5.5. Es zeigte sich, dass der Anteil großer Erdbeben alle 15 Tage leicht erhöht ist – während Voll- und Neumondphasen. Die großen Erdbeben von Chile 2010 und Japan 2011 fanden demnach ebenfalls während einer der Mondphasen statt. Insgesamt zeigte dich jedoch kein vermehrtes Auftreten von Starkbeben zu Voll- oder Neumond. Nur die durchschnittliche Magnitude der Erdbeben ist höher.

Eine genaue Erklärung für dieses Verhalten konnte noch nicht gefunden werden. Die Forscher vermuten, dass sich die erhöhte Anziehungskraft, wenn Sonne, Erde und Mond in einer Reihe stehen, auf Störungen auswirkt und dabei Mikrorisse verursacht. Steht die Störung unter immenser Spannung, wie zum Beispiel kurz vor einem Megabeben, kann dieser Riss sich erweitern und schließlich zum Lösen der kompletten Spannung führen.

Die Ergebnisse der Studie könnten einen besseren Einblick in das Verlagern von Spannung innerhalb von Störungszonen während und nach Erdbeben liefern. Eine Vorhersage von Erdbeben ist damit aber nicht möglich. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit an Vollmond erhöht ist, kann ein großes Erdbeben auch an jedem anderen Tag auftreten. Das Risiko bleibt relativ unverändert.

Nature


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Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.