Die urzeitliche Nahrungskette in einem Fossil

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© Krister Smith
Mehr als es zu sein scheint: Das untersuchte Fossil © Krister Smith

Paläontologen finden in der Grube Messel bei Darmstadt ein Musterbeispiel einer dreigliedrigen, fossilen Nahrungskette. Darauf zeigt sich eine Schlange, die offenbar kurz nach einer Mahlzeit von Sedimenten bedeckt wurde, sodass die in ihrem Magen befindliche Echse samt deren Beute – einem Käfer –  in dem Fossil erhalten blieb. Eine vergleichbare Szene gibt es den Forschern zufolge weltweit nur ein weiteres mal.

Kaum einmal kommt es vor, dass der Mageninhalt von fossilisierten Lebewesen noch erhalten und identifizierbar ist. Im Ölschiefer jedoch, der in der Grube Messel vorherrscht, finden sich viele Fossile dieser Art. Vor 48 Millionen Jahren befand sich ein Vulkansee an dieser Stelle, dessen lockere Sedimente hineingefallene Tiere sofort um- und luftdicht abschlossen.

Bei früheren Grabungen förderten die Forscher schon ähnlich aufschlussreiche Fossile zutage. So fand man beispielsweise Blätter und Trauben im Magen eines Urpferdes und zwei Schildkröten während der Paarung.

Als nun ein vermeintlich unspektäkuläres Schlangenfossil mit einem Computertomographen untersucht wurde, entdeckten die Wissenschaftler dessen wahren Wert: Im Magen der gut einen Meter langen Schlange befand sich eine 20cm große Echse, die ihrerseits einen Käferpanzer verschlungen hatte. Aus der Lage der Rippen an der Stelle des Echsenfossils könne man darauf schließen, dass diese ihren Tod tatsächlich IN und nicht NEBEN der Schlange fand.

Die Einzelskelette im Fossil
Die Einzelskelette im Fossil © Krister Smith

„Eine dreigliedrige Nahrungskette haben wir aber bisher noch nie entdeckt. Das ist für Messel einmalig!“, schwärmt Krister Smith des Senckenberg Forschungsinstituts. Vergleichbar sei die Szenerie des Fundes lediglich mit einem Haifossil aus dem Perm vor circa .280 Millionen Jahren.

Außerdem war es den Forschern möglich, sowohl die Art der Schlange als auch der Echse zu bestimmen. Bei ersterer handelt es sich um ein Jungtier der Art Palaeophyton fischeri, bei zweiterer um ein Exemplar der Art Geiseltaliellus maarius. Der Tod überraschte wohl die Echse – die bei Gefahr normalerweise ihren Schwanz abwirft -, da sich deren Skelett vollständig im Schlangenmagen befand. Lediglich der Käfer konnte aufgrund seines schlechten Erhaltung nicht eindeutig identifiziert werden; dennoch gab er den Paläontologen weiteren Aufschluss über das Fressverhalten der Echse, die bisher als rein herbivor (~ pflanzenfressend) galt.

   

  

Quelle: Scinexx

   

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Christoph Faist

Studiert seit 2015 am gemeinsamen Geozentrum von LMU und TU in München.

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