Ausflugtipps: Vulkankuppe am Rhein

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In dieser Serie möchten wir euch wöchentlich besondere Orte vorstellen, an denen ihr die Geologie Deutschlands zum Anfassen erleben könnt. Orte, an denen auch Laien viel über die Vergangenheit der jeweiligen Region erfahren können.
Teil 2: Der Stenzelberg im Siebengebirge

Das durch vulkanische Aktivität entstandene Siebengebirge im Süden von Nordrhein-Westfalen liegt rechtsrheinisch und bietet diverse Naherholungsgebiete für die nahen Großstädte Köln und Bonn. Benannt nach den sieben aus der Entfernung sichtbaren Vulkankuppen (in Wirklichkeit sind es mehr Berge), entstand das Siebengebirge in Oligozän und Miozän. Der Höhepunkt der vulkanischen Aktivität war vor etwa 22 Millionen Jahren. Damit gehört das Siebengebirge zu den jüngeren Vulkangebieten Deutschlands. Der Vulkanismus war vielfältig. Es gab explosive Eruptionen, die Asche ausstießen, aber auch lavafördernde Ausbrücke, die Teile der heute vorhandenen Gesteinsformationen schufen.

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Blick vom Stenzelberg nach Nordwesten

Schon im 11. Jahrhundert begannen Menschen das Vulkangestein abzubauen. Überwiegend wurden Basalt und Trachyt, vereinzelt Latit abgebaut. Einer der größten Steinbrüche ist jener auf dem Stenzelberg im Hinterland von Königswinter. Der Betrieb endete 1931. Seit dem bietet der Berg mit seinen dichten Wäldern, steilen Felswänden, Schluchten und ebenen Lichtungen ein naturnahes Ausflugsziel. Über das weitläufige Areal des ehemaligen Steinbruchs ziehen sich diverse, teils unbefestigte Wanderwege, wo verlaufen nicht unmöglich scheint. Für Wagemutige gibt es Pfade, die über schmale Gesteinsformationen und Klippen führen (auf eigene Gefahr!). Für alle anderen bieten flache ruhige Lichtungen einen Entspannungsort, von wo man bei schönem Wetter Bonn und die dahinter liegende Kölner Bucht überblicken kann.

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Latit mit Hornblende Einsprengling

Geologisch interessant sind die vielen Aufschlüsse, in denen sich der Struktur der Lava-/Magmabewegungen erahnen lässt. Denn bei dem Stenzelberg handelt es sich um eine Quellkuppe, wo der Großteil des Materials, überwiegend handelt es sich um das vulkanische Gestein Latit, knapp unter der Erdoberfläche erstarrt ist. Nur an einer Stelle trat Lava aus. Erst durch spätere Bodenhebungen und Erosion wurde der Berg in seiner heutigen Form geschaffen. Neben den großen Felswänden, finden sich auf offenem Gelände große Gesteinskörper, sogenannte Umläufer, die vom Steinbruchbetrieb zurückgelassen wurden. Abgelegen im Wald gibt es auf dem gesamten Gelände kleinere, teils dicht bewachsene Abbaustellen, die über schmale Schluchten zugänglich sind.
Häufig zu finden sind in dem basischen Gestein große, teils mehrere Zentimeter lange Hornblende-Einkristalle, die als schwarze Einsprenglinge auch ungeübten Augen deutlich auffallen. Diese kristallisierten bereits innerhalb der Magmakammer langsam aus und wurden durch die verbliebene Schmelze nach oben gedrückt.

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Auch Biologen werden auf ihre Kosten kommen: Neben einer vielfältigen Flora sind auch verschiedene Reptilienarten und Vögel am Stenzelberg beheimatet.

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Ehemaliger Steinbruch Weilberg

Wer den Stenzelberg besucht, sollte auch einen Abstecher zum benachbarten Weilberg (auf der anderen Seite der Landesstraße 268) wagen. Dort führt ein kleiner Rundweg zu dem ehemaligen Steinbruch auf dem Gipfel, der heute mit Wasser gefüllt ist. Sichtbar sind die Überreste des Säulenbasalts, der dort abgebaut wurde. Auch Relikte des Abbaubetriebs wie Löcher für Sprengungen und zurückgelassene Eisenbahnschienen sind zu finden.

Anfahrt:
Von der L268 zwischen Oberdollendorf (Königswinter) und Heisterbacherrott führen verschiedene Wanderwege auf den Stenzelberg (im Süden) und den Weilberg (im Norden). Nahe des Ortseingangs von Heisterbacherrott befinden sich zwei Parkplätze.
Eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist ebenfalls möglich: Von Köln und Koblenz gelangt man mit dem Zug (rechtsrheinisch!) bis zum Bahnhof Niederdollendorf. Dort hält die Buslinie 520, die einem in knapp 15 Minuten zum Stenzelberg (Haltestelle „Heisterbacherrott Verschönerungsweg“, im Bereich der Parkplätze) bringt.

Weitere Infos:
Der Höhenunterschied zwischen Parkplatz und Bergspitze beträgt etwa 50 Meter. Es handelt sich im ein Naturschutzgebiet, somit ist das Hämmern und die Mitnahme von Gesteinen verboten. Auch sonst sollte die Natur respektiert werden. Auf den befestigten Wanderwegen befinden sich Mülleimer. Festes Schuhwerk ist empfehlenswert, lange Hosen bieten Schutz gegen Dornen und Zecken. Geschäfte sind auf dem Stenzelberg nicht zu finden. Am Südrand liegt das Einkehrhaus Waidmannsruh. zentral an der Kreuzung verschiedener Wanderwege. Westlich vom Weilberg bietet die Klosterruine Heisterbach ein kulturelles Ausflugsziel.
Persönlicher Hinweis: Auch wenn der Stenzelberg mit seinen vielen abgelegenen Schluchten und dichten Wäldern unübersichtlich scheint, sind besonders im Sommer viele Menschen dort unterwegs. Das heißt: Ihr seid nicht allein! Bedenkt das und tut anderen einen Gefallen!

Copyright Bilder: Stefan Stürmer und Jens Skapski


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Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.