Das Klima und die Farbe des Bodens

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Welcher Boden in einer betrachteten Lokalität vorliegt, hängt von äußerst vielen, miteinander in Wechselwirkung tretenden sog. „bodenbildenden Faktoren“ ab. Als einer dieser Faktoren ist das Klima zu betrachten, welches auf das System Boden über die Variablen Niederschlag, Verdunstung und Verwitterung der im Boden vorhandenen Minerale einwirkt. Weiter wird die Wachstumsrate der Biota vom Klima bestimmt, wodurch wiederum die Geschwindigkeit der Bodenentwicklung beeinflusst wird.
Dass all diese Prozesse zusammengenommen letztlich die Farbe des Bodens bestimmen, soll kurz an einigen Beispielen gezeigt werden.

Erdfarben ist nicht gleich Erdfarben (Quelle: cbc.ca)
Erdfarben ist nicht gleich Erdfarben  (Quelle: cbc.ca)

Die Tundra Sibiriens oder im Norden Kanadas liegt in feucht-kalter Klima. Durch gute Wasserzufuhr wird eine hohe Wachstumsrate von Pflanzen erreicht. Sterben diese ab, geschieht die Zersetzung aber aufgrund der niedrigen Temperaturen nur schleppend. Die Folge ist ein anwachsender, von organischem Material dominierter Boden mit schwarzer, dunkelbrauner oder grauer Farbe. Niedrige Temperaturen haben aber auch eine geringe Verdunstung zur Folge, sodass die Böden jener Regionen oft sehr feucht sind und dazu tendieren, nur wenig verfügbaren Sauerstoff zu enthalten. Typischerweise treten anaerob lebende Bakterien auf. Diese nutzen alternative Sauerstoffquellen, indem sie z.B. Eisen- oder Manganoxide reduzieren. Die ursprünglich rote, gelbe oder violette Färbung durch jene Eisen- und Manganverbindungen weicht einer grauen, blauen oder grünen.

Wichtig ist, dass sich diese anaerob ablaufenden bakteriellen Stoffwechselprozesse nicht auf die kühlen Klima beschränken. Grau, blau oder grün gefärbte Böden sind gleichsam typisch für jegliche Feuchtgebiete.

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Wüstengebiete und sonstige aride Klima zeichnen sich durch rote, gelbe, beige bis weiße Böden aus. Hier wird die Farbe maßgeblich vom Ausgangsgestein beeinflusst, da die Verwitterungsrate aufgrund der fehlenden Bodenfeuchte gering ist. Hinzu kommt ein Effekt, bei dem wasserlösliche Minerale durch den Boden gen Oberfläche migrieren, sobald weniger Niederschlag fällt, als Wasser verdunstet. Diese Salz- und Karbonatminerale geben dem Boden dann eine weiße Färbung.

In den Tropen wachsen Pflanzen durch die hohen Temperaturen und viel Regen sehr schnell. Abgestorbenes Material wird – bedingt durch die hohen Temperaturen – schnell von Destruenten umgesetzt. Deshalb ist der Anteil organischer Substanz gering. Die typische tiefrote, orange oder braune Farbe wird durch Eisen- und Aluminiumoxide hervorgerufen, welche durch infolge hoher Verwitterung durch Hitze und Niederschlag entstehen.

Quelle: https://www.soils.org/newsroom/releases/2016/0901/811/


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Christian Bisping

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