Ausflugtipps: Die Küste vom Kohlenpott

Veröffentlicht von
Share Button

In dieser Serie möchten wir euch wöchentlich besondere Orte vorstellen, an denen ihr die Geologie Deutschlands zum Anfassen erleben könnt. Orte, an denen auch Laien viel über die Vergangenheit der jeweiligen Region erfahren können.
Teil 1: Der Geologische Garten Bochum.

GeoGarten Kohle
Kohleflöz im Geologischen Garten

Mitten im Ruhrgebiet würde wohl niemand eine Küste erwarten. Vor allem nicht zwischen einer Schule und einer Schrebergartenanlage. Und doch gibt es sie. Auch wenn das letzte Meerwasser bereits vor einiger Zeit verschwunden ist. Die Rede ist vom Geologischen Garten Bochum.
Dabei handelt es sich um ein Geotop, das ehemals als Steinbruch und Zeche diente. Auf einer Fläche von knapp 10.000m² ist hier ein Fenster in die geologische Vergangenheit des Ruhrgebiets geöffnet. Aufgeschlossen sind die nach Nordwesten einfallenden, teils gestörten Schichten des Karbon. Überwiegend finden sich Sand- und Siltsteine. Zudem sind zwei Kohleflöze aufgeschlossen, die früher abgebaut wurden.

GeoGarten Diskordanz
´Winkeldiskordanz und Störung im Geologischen Garten

Diskordant überlagert wird das Grundgebirge vom glaukonitreichen Essener Grünsand aus dem Cenoman (Kreide). Dieser entstand marin als quer durchs heutige Ruhrgebiet die Küstenlinie verlief. Von der Steilküste, die die Gesteine des Karbon bildeten, lösten sich Sedimente und sammelten sich in Meeresbecken. Dabei wurden die heutigen Schichten des Münsterländer Kreidebeckens abgelagert, dessen südlichsten Ausläufer im Geologischen Garten zu finden sind.
Nochmals diskordant überlagert wird das ganze von pleistozänen Löß, der an vielen Stellen aber von Vegetation verdeckt wird.

Anzeige
GeoGarten
Parkanlage Geologischer Garten

Innerhalb des Grundgebirges finden sich diverse Sedimentstrukturen und Fossilien. So gibt es neben gut aufgeschlossenen Wellenrippeln und Wurzelfossilien auch Spuren des Kohlenwaldes zu sehen. Ein in einer Zeche in Oer-Erkenschwick gefundener fossiler Baumstamm stellt ein weiteres Highlight dar.

Die gesamte Anlage ist ähnlich einem Park gestaltet. Geologische Highlights sind durch Infotafeln, die die Entstehung der Strukturen erklären, gekennzeichnet. Da der ehemalige Steinbruch eine Senke bildet, ist das Gelände nur über zwei Eingänge zugänglich.

GeoGarten2
Dickebank-Sandstein im Geologischen Garten

Anfahrt:
Der südliche Zugang führt über das Gelände des Neuen Gymnasiums, Querenburger Straße 45. Entlang der Straße finden sich Parkplätze. Der Weg ist nicht ausgeschildert, am einfachsten ist es, links zwischen Schulgebäude und Turnhalle vorbei zu gehen. Dann ist der Eingang nicht zu verfehlen. Alternativ gelangt man über die Straße Am Dornbusch und die Kleingartenanlage Friederika in den Geologischen Garten.

 

GeoGarten Schicht
Schichtungen im Geologischen Garten

Über öffentliche Verkehrsmittel erreicht man den Garten vom Bochumer Hauptbahnhof aus binnen weniger Minuten. Die Buslinien 349 und 356 verkehren vom Bochumer Hauptbahnhof direkt zum Gymnasium (Haltestelle: Aral-Forschung). Alternativ: Mit der werktags im 5 – 10 Minuten Takt fahrenden U-Bahn 35 (Richtung Hustand) gelangt man bis zur Haltestelle Wasserstraße. Von der Station auf der Universitätsstraße aus biegt man zweimal nach links ab und folgt der Querenburger Straße bis zur Schule (auf der rechten Seite). An Universitätsstraße und Wasserstraße ist der Garten ausgeschildert.

Weitere Infos
Die Anlage ist öffentlich und frei zugänglich. Die Wege sind nicht asphaltiert, sodass bei schlechter Wetterlage mit matschigen Bodenverhältnissen zu rechnen ist. Im Winter besteht auf den Rampen, die in die Anlage führen, rutschgefahr. Da der Geologische Garten als Geotop gekennzeichnet ist, ist das Sammeln von Fossilien und Steinen untersagt.

Copyright Bilder: Jens Skapski


GeoHorizon ist ein Informationsportal, das aktuelle Meldungen aus den Fachgebieten der Geowissenschaften veröffentlicht. Wir richten uns an Experten und Laien, die von Geologie fasziniert sind, und möchten das nötige Hintergrundwissen jedermann zugänglich machen.

Folgt uns auf Facebook

Anzeige

Ähnliche Beiträge
    The following two tabs change content below.
    Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.