Italien: Tote und Verletzte bei Erdbeben in Latium

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Laufende Aktualisierungen (aktuellstes Update am Ende des Textes)

Italien – In der Nacht zum Mittwoch um 3:36 Uhr MESZ hat sich in der italienischen Provinz Latium ein starkes Erdbeben ereignet, das auch noch in angrenzenden Provinzen stark spürbar war. Nach Angaben des Geoforschungszentrum Potsdam erreichte das Beben Magnitude 6.1. Das Epizentrum lag demnach im Osten von Latium, 100 Kilometer von Rom entfernt, an der Grenze zu den Provinzen Umbrien, Marken und Abruzzen, und damit ziemlich zentral im Land (siehe Karte unten). Die Italienischen Behörden haben bisher keine Angaben zur Stärke des Bebens und zur Lage des Epizentrum gemacht.
Die Erschütterungen waren in der gesamten Region sehr stark spürbar. An vielen Orten rannten Menschen aus den Häusern. Die Erschütterungen dauerten teilweise bis zu 30 Sekunden an. Auch in Teilen von Rom brach Panik aus. Vielerorts, besonders in den kleineren Städte im Inland, fielen die Telekommunikationssysteme aus.
Es ist das stärkste Erdbeben in Zentralitalien seit sieben Jahren. Schwere Schäden und Opfer sind wahrscheinlich.
Das Erdbeben war so stark, es wurde sogar auf dem Balkan (u.a. in Kroatien, Bosnien und Serbien) sowie in Teilen von Österreich wahrgenommen. Auch Neapel, Rimini und Florenz war das Beben deutlich spürbar.

Es gab bereits einige Nachbeben, das stärkste mit Magnitude 4.9. Weitere große werden in den kommenden Stunden folgen.

Update 04.13 Uhr
Noch immer gibt es keine Daten von italienischen Erdbebebendienst bei der INGV. Das USGS gibt das Erdbeben inzwischen mit Magnitude 6.2 an. In italienischen Medien wird spekuliert, dass das Epizentrum nahe Perugia in Umbrien liegt, wo es seit mehreren Jahren eine Häufung von kleinen Erdbeben gibt. Laut USGS lag das Epizentrum südöstlicher.
Da sich zur Zeit auch viele Deutsche in Italien aufhalten: Hier ein wichtiger Hinweis zu den Verhaltensregeln bei und nach schweren Erdbeben.

Update 04.23 Uhr
Ein Sprecher des italienischen Katastrophenschutzes bestätigte, dass das Hauptbeben Magnitude 6.0 erreichte. Das Epizentrum lag nahe der Stadt Rieti in Latium, 100 Kilometer von Rom entfernt.

Update 04.35 Uhr
Im kleinen Ort Castelluccio an der Grenze von Umbrien und Marken sollen nach ersten Angaben mehrere Häuser eingestürzt sein. Wie es in anderen Dörfern nahe des Epizentrums aussieht, ist noch unklar. An vielen Orten ist die Stromversorgung ausgefallen und die Telefonnetze überlastet. Meldungen über Todesopfer gibt es noch nicht.

Update 04:36 Uhr
Ein zweites starkes Erdbeben ereignete sich an gleicher Stelle vor wenigen Minuten. Dieses war wieder in weiten Teilen des Landes spürbar. Offizielle Daten aus Italien gibt es noch nicht, ausländische Erdbebendienste sprechen vorläufig von Magnitude 5.9.

Update 04:50 Uhr
Der Katastrophenschutz berichtet inzwischen von schweren Schäden in mehreren Dörfern, darunter auch Orte in Latium und den Abruzzen. Einige Schäden werden ebenfalls aus der Umgebung der Stadt Ascoli in Marken gemeldet.
Unterdessen schilderten uns einige Zeugen ihre Erlebnisse der Erdbeben. (Siehe Zeugenmeldungen unterhalb des Tickers) Dabei sind ebenfalls Meldungen über leichtere Schäden.

Bisher gibt es noch keine Meldungen über Opfer. Aufgrund der Stärke des Erdbebens kann aber mit ziemlicher Sicherheit von Todesopfern ausgegangen werden.

Update 04:53 Uhr
Eine Twitter-Userin stellte folgende Bilder aus dem Ort Norcia (Umbrien) online.

Dieses Bild stammt aus dem Ort Amatrice in Latium


Update 04:58 Uhr
Das INGV gibt das Nachbeben inzwischen mit Magnitude 5.4 an. Keine Entspannung für Betroffene, denn selbst diese Größenordnung kann vorhandene Schäden immens verschlimmern.
Alle Anwohner und Touristen in den vier am meisten betroffenen Regionen müssen sich in den kommenden Tagen auf weitere, teils starke Nachbeben gefasst machen. Neben dem großen wurden bisher neun weitere über Magnitude 3.5 verzeichnet. Es ist wahrscheinlich, dass die Aufzeichnungen unvollständig sind. Italienische Erdbebensequenzen haben die unliebsame Eigenschaft, dass Nachbeben besonders vielzählig und stark auftreten können (was aber nicht immer der Fall ist). Urlaubern, die sich nahe des Epizentrums befinden (ca 100 km), empfehlen wir aus Sicherheitsgründen eine vorzeitige Rückreise.

Update 05:06 Uhr
Ein Sprecher der Einsatzkräfte, die in der Epizentralregion seit dem Erdbeben im Einsatz sind, bestätigte, dass es rund um Amatrice „mehrere Verwundete“ gab.

Update 05:12 Uhr
Durch das M5.4 Nachbeben, dessen Epizentrum nördlicher lag, sollen in der Stadt Amandolo eine Kirche komplett und ein Krankenhaus teilweise eingestürzt sein. Meldungen über Verletzte gibt es von dort bisher nicht.

Update 05:17 Uhr
Der Bürgermeister von Amatrice sprach von „großer Zerstörung“. Etwa die Hälfte der Gebäude der Stadt soll zerstört worden sein. Viele Menschen seien unter den Trümmern gefangen. Zudem stürzte eine Brücke ein, was die Durchführung von Hilfsmaßnahmen erschwert.
Weitere Meldungen von zerstörten Gebäuden und auch Erdrutschen gibt es aus Castelluccio und Maceratese. In letzterem Ort wurden, wie die Feuerwehr bereits bestätigt hat, viele Menschen verletzt.

Update 05:24 Uhr
Eine Stunde vor Sonnenaufgang gibt es weitere Meldungen über zerstörte Häuser. Das Ausmaß der Schäden wird bei Tagesanbruch besonders sichtbar werden und auch die Rettung Verschütteter fortschreiten. Neben dem Katastrophenschutz und den lokalen Feuerwehren sind auch bereits viele Freiwillige unterwegs in die Erdbebenregion, um bei den Rettungsmaßnahmen zu helfen.

Update 05:32 Uhr
Bisher vergleichsweise wenig Schadensmeldungen kamen aus den Abruzzen. Der Katastrophenschutz der Region bestätigte nun, dass es rund um die Stadt Campli ebenfalls zu schweren Schäden kam. Meldungen über Verletzte gibt es nicht.
Aus der Stadt L’Aquila, die 2009 von einem Erdbeben zerstört wurde, gibt es bisher keine Meldungen über Schäden. Ebenso aus der Stadt Assisi, die 1997 von einem Erdbeben schwer betroffen war.

Update 05:36 Uhr
Die traurige Vermutung hat sich bestätigt. In Arquata del Tronto (Marken) sind mindestens zwei Personen durch einstürzende Häuser ums Leben gekommen. Mehrere Gebäude in dem Dorf mit ca. 1300 Einwohnern wurden zerstört.

Update 05:41 Uhr
Nicht nur durch herabfallende Trümmer können Menschen verletzt werden. Mehrere Krankenhäuser in Orten an der Adria-Küste, unter anderem in Mazzoco (Abruzzen), berichten von Patienten, die während der Flucht aus dem Haus verletzt wurden. Schäden hat es in dieser Region nicht gegeben

Update 6.00 Uhr
Das Hauptbeben verursachte neben den Schäden an Gebäuden auch einen großen Erdrutsch am Berg Gran Sasso d`Italia. Dabei kam es nicht zu Verlusten.

Update 06.04 Uhr
Behörden bestätigten ein drittes Todesopfer. Dieses soll aus dem Ort Accumoli, einem Nachbardorf von Amatrice, stammen. Die genauen Umstände sind nicht bekannt.
Unterdessen laufen in Amatrice die Rettungsarbeiten weiter an. Jedoch blockieren mehrere Erdrutsche die Zufahrtsstraßen. Einwohner des Dorfes, die ihre Häuser verloren haben, werden provisorisch auf einem Sportplatz untergebracht.

Update 06:12 Uhr
Die Nachbebenaktivität hat in der vergangenen Stunde ein wenig nachgelassen. INGV registrierte bislang 39 Nachbeben, wobei die Liste vermutlich unvollständig ist. Dabei sind zwei Nachbebenzentren aktiv: Zum Einen die ursprüngliche Epizentralregion in Latium und zum Anderen ein Gebiet im südlichen Umbrien, wo das M5.4 Nachbeben seinen Ursprung hatte.

Update 06:17 Uhr
Die Opferzahl steigt weiter. Der Bürgermeister von Accumoli sprach von insgesamt vier Todesopfern. Hinzu kommen die zwei zuvor bestätigten aus Arquata del Tronto

Update 06:22 Uhr
Ein Nachbeben der Stärke 3.9 hat offenbar nahe Norcia mehrere bereits beschädigte Gebäude zum Einsturz gebracht. Über Opfer ist nichts bekannt.
Unterdessen melden Rettungskräfte, dass insgesamt 70 Dörfer vom Hauptbeben betroffen sein könnten. Aus mehreren gibt es inzwischen unbestätigte Meldungen über Opfer. So soll im Dorf Illica ein Mädchen und in der Stadt Rieta eine vierköpfige Familie durch einstürzende Häuser getötet worden sein.

Update 06:35 Uhr
LückeFolgende Karte zeigt, dass dieses Erdbeben nicht unerwartet kam. Dargestellt ist der zentrale Teil von Italien. Die roten Kreise stellen größere Erdbeben (M5+) der letzten 40 Jahre dar (USGS Daten). Dabei zeigt sich, dass im Bereich der aktuellen Erdbebensequenz (Rotes Polygon mit Markierungen von Haupt- und Nachbeben) praktisch keine größeren Erdbeben stattfanden. Nördlich angrenzend ist die Erdbebensequenz von 1997, die Assisi beschädigte und um Süden das L’Aquila-Beben von 2009. Die sogenannte seismische Lücke zwischen diesen Ereignissen, wurde durch das aktuelle Erdbeben nur teilweise geschlossen. Somit ist auch in naher Zukunft das Auftreten weiterer größerer Erdbeben nicht ausgeschlossen.

Update 06:46 Uhr
Die katastrophale Situation in Amatrice wird immer deutlicher. Es gibt dutzende Verletzte. Das lokale Krankenhaus (wo zur Zeit des Erdbebens 15 Menschen untergebracht waren) wurde bei dem Beben stark beschädigt und ist einsturzgefährdet. Alle Verletzten werden in provisorisch eingerichteten Lazaretten behandelt. Weiterhin haben Rettungskräftge Schwierigkeiten dieses Dorf (und auch einige andere) zu erreichen, da Straßen unpassierbar sind. An mehreren Stellen ist bekannt, dass Menschen unter den Trümmern liegen. Stellenweise sind die Trümmerhaufen bis zu 10 Meter hoch.

wird fortgesetzt…

Wichtige Links:
Aktuelle Erdbebenliste INGV
Touristeninfo: Verhalten bei schweren Erdbeben
#Amatrice: Twitter-Feed zur Lage im Katastrophengebiet


[sc name=“Gespürt“ ]

Zeugenmeldungen
Guilanova (Abruzzen)

3:42uhr wachgerüttelt durch starkes wackeln vom Auto und der Alarmanlage

Grottammare (Marken)
Haus hat leicht Gewackelt, autosirenen gingen an

Ostra Mare (Marken)
Bett wurde stark hin- und her geschoben. Lampen schwankten stark hin und her. Poolwasser schwappte stark auf.
Nachbeben: 4:34 leichtes Nachbeben.

Bastia Umbra (Umbrien)
Ca. 3:36 – durch Gerüttel im Bett wach geworden. (Einmaliges Gerüttel ca. 5 sec, dann nichts mehr)

Riccione (Emilia-Romagna)
03:38 leichtes Wackeln im Haus, haben es hauptsächlich in den oberen Stockwerken gespürt

Assisi (Umbrien)
es war sehr heftig und lang. Ein Glas fiel um und der Schirm meiner Schlafzimmerlampe. Einige menschen liefen auf die Strasse andere verließen Assisi mit dem Auto. Aber keine Panik.
Nachbeben:
 soeben war ein nachbeben. Das Haus rüttelte. menschen gehen auf die strassen

Riccione (Emilia-Romagna)
Bett wackelte hin und her…. Bin davon wach geworden ……

Mogliano (Marken)
Durch starkes Wackeln im Bett wachgeworden. Haben die Kinder geweckt und sitzen seitdem alle im Erdgeschoss in der Küche. Besonders im Kinderschlafzimmer fielen Putzstücke von der Decke (1.OG), ein Wasserglas kippte um, im EG hängen Bilder schief. Soeben, 04:39 Uhr wackelte es wieder. Haben nun Jacken, Hosen und Schuhe bei uns und suchen Infos im Internet…

Alba Adriatica (Abruzzen)
Gegen 3:30 Uhr wurde unser Hotel in Alba Adriatica erschüttert. Wir haben das Hotel an der Küste verlassen und einen Hörer gelegenen Zufluchtsort aufgesucht. Hier haben wir mittlerweile zwei Nachbeben erlebt, das letzte circa um 04:47 Uhr!

Castelleone di Suasa (Marken)
Das Hauptbeben dauerte geschätzt 20-30 Sekunden, eher 30. Auch das kurze Nachbeben war hier noch gut spürbar. Das erste Beben war ein mächtiger Stoß. Das Haus schwankte ziemlich. Keine Schäden, auch keine Aktivität oder Panik in der Umgebung.

Rom (Latium)
3.37hstarkes langgezogenrs Beben war zu spueren. Luester hin and her geschwankt Tueren geklappert, Gefuehl beim Stehen wie Wellenbewegung. Lange Dauer. Mehrere Nach been.
4.45 h 2. starkes Been, deutlich spuerbar
5.00 h mehrere kleine Nachbeben

Caorle (Venetien)
Wir sind zu zeit im Urlaub in Caorle
Ich glaube es war nach halb vier wo wir von Erdbeben aufgeweckt geworden sind

Da wir gerade im 5 Stock des Hotels sind ,direkt am Strand hat man schon ein mulmiges gefühl…

Porto Recanti (Marken)
Bin auf einem Campingplatz und wurde gegen 4:30 im Schlafsack wach gerüttelt! Das ganze Zelt hat gewackelt, wie bei einem starken Sturm – nur das der Boden auch mit gewackelt hat.Davor hat die Erde auch schon gebebt, da dachte ich noch, das er ein Traum war..

Colmurano (Marken)
Ca3:35 das Haus hat ca 15 Sekunden gewackelt – Nachbeben ne Stunde später. Warten seitdem sicherheitshalber im Freie .

Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 3:36 Uhr, Nachbeben: 4:33 Uhr

Magnitude: 6.0, Nachbeben: 5.9

Tiefe: 4 km

Spürbar: ja

Haben Sie dieses Erdbeben gespürt?

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: ja

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

Epizentrum:

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In Regionen wie diesen kann es immer wieder zu schweren Erdbeben kommen. Nicht nur sichere Bauweise kann bei solchen Ereignissen Menschenleben retten, sondern auch richtige Verhaltensweisen. Daher empfehlen wir allen, die eine Reise in eine erdbebengefährdete Region planen, sich zuvor mit den richtigen Verhaltensweisen bei schweren Erdbeben auseinanderzusetzen.
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Jens ist 22, lebt in Bochum und studiert seit 2013 an der Ruhr-Universität Geowissenschaften. Nach dem Bachelor-Abschluss 2016 folgte das M.Sc. Studium der Geophysik.

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